3 Jahre Lebensneugestaltung

Das ist mein erster eigener Blogbeitrag und ich bin so voller Freude, dass auch dieser Blog nun zum Leben erweckt wird, denn es liegt mir wirklich sehr am Herzen meine Geschichte zu teilen und meine Community zu vergrößern. Meine Community heißt „Widow for Life“ und erhält heute diesen neuen Namen, der erst gestern in einem Impuls aus mir herausgesprudelt ist.

Nun kurz zu mir. Ich bin seit 3 Jahren verwitwet, habe einen wundervollen Sohn, Lars, aus meiner Beziehung uns sehr kurzen Ehe mit James Daniel Chadwick. Ja, wie bei so vielen anderen auch, die jung sterben, war es Krebs. Ein sehr aggressiver, sich einfach ausbreitender fieser Krebs. James hatte ca. 12 Jahre zuvor ein verändertes Muttermal auf dem Rücken, welches zack zack entfernt wurde, denn es war schwarzer Hautkrebs. Ich erfuhr erst davon als dieser Krebs das zweite Mal in Erscheinung trat. Zu diesem Zeitpunkt merkte ich schon, dass hier was nicht stimmt und seit Monaten bat ich James zum Arzt zu gehen und ein Blutbild machen zu lassen. Na ja, irgendwann habe ich es gelassen ihn daran zu erinnern bzw. ihn zu bitten. Tief in mir drin spürte ich allerdings, dass das hier kein gutes Ende nehmen würde. Und das tat es auch nicht – nicht für James jedenfalls.

Als ich im letzten drittel meiner Schwangerschaft war, wurde dieses komische Gefühl immer deutlicher, ich hatte aber keine Chance zu James durchzukommen. Ach ist schon alles gut. Das ist nichts und so weiter. Freuen wir uns doch lieber auf die Zeit, die vor uns liegt.

Es kam der Tag der Geburt. Meine Fruchtwasserblase leerte sich nach und nach während ich mir zu Hause Tortellini kochte. Ich rief James an und erzählte ihm die freudige Botschaft. Er kam von der Arbeit nach Hause und wir fuhren direkt ins Krankenhaus. Freitagsnachmittags in einer Großstadt, wie Birmingham ist eher ungünstig, wenn die Wehen schon im 4 Minuten Rhythmus sind.

Alles verlief gut und für mich zufriedenstellend (auf die schmerzlichen Details und die eine oder andere Komplikation verzichte ich heute) und unser perfekter kleiner Lars war geboren. Kurz danach ging ich duschen und als ich wieder ins Zimmer kam, war James schon fast am Schlafen. Einige Schwestern machten einen Joke im Sinne von, der hat doch nicht das Kind bekommen. Ich wusste – hier stimmt was nicht. Er war fast lethargisch. Ich war fast angenervt, dass er diese ersten Stunden nicht intensiv miterlebte.

Weitere sechs Wochen vergingen und ich hatte ein bisschen Zeit in meine neue Rolle als Mutti zu schlüpfen und dennoch alles am Laufen zu halten. James hatte immer wieder Beschwerden im Magen-Darm Trakt und ging endlich zum Arzt, mit dem Ergebnis – Verstopfung. Das machte für mich überhaupt keinen Sinn, dennoch versuchte ich nicht zu viel einzugreifen. James meinte ich solle nicht so negativ sein – war ich auch nicht, sondern realistisch! Dann ging alles sehr schnell. James hatte immer mal wieder Bauchschmerzen, klagte über Müdigkeit und dann schließlich folgte der „Emergency Call“ seines Körpers. Eine Ascites bildete sich. Das heißt, es sammelt sich Wasser im Körper. Nicht nur ein bisschen, nein, James sah nach 24 Stunden aus, wie ich kurz vor der Geburt. Die Ärztin schickte ihn sofort ins Krankenhaus und von da an begann eine 10-monatige Reise mit „Twatty“ dem Tumor. Er war schon riesig, Stufe 4 und hatte die Bauchhöhle mit allen Organen als sein neues zu Hause eingerichtet.

Die schönste Zeit unseres Lebens, als kleine Familie war dahin! Es war so schlimm, dass einer der jungen Onkologen zu mir sagte, so was hätte er noch nie gesehen, total außer Kontrolle. Ich kannte ihn flüchtig und bin ihm bis heute dankbar, dass er ehrlich zu mir war. Er konnte es selbst kaum glauben. Er wusste auch, dass ich Biomedizin studiert habe und in der Krebsforschung gearbeitet habe. Er brauchte nichts zu verbergen. Ich mag direkt und ehrlich, nicht hinterm Berg halten und schön reden. Vor allem, wenn es die total Veränderung meines Lebens bedeutet.

Ziemlich genau 10 Monate nach der Diagnose, heute vor drei Jahren, war es dann soweit.

James hat seinen letzten Atemzug genommen und seine Seele durfte seinen schwachen und kranken Körper verlassen. Und ich war so dankbar, dass er es endlich geschafft hatte und nicht länger als zwei Tage bettlägerig war.

19.2.2018 – Last Touch

Die Gespräche, die wir in diesen 10 Monaten führten, waren echt und aufrichtig. Es war keine Zeit mehr für rumlabern und aufs Beste hoffen. Ich wusste, wie die Geschichte ausgeht. Seine Geschichte, nicht im Detail, allerdings das Endergebnis, war mir immer klar. Und es ist ja auch so, sterben müssen wir alle, besser ist es, wenn auch du dich mit Gedanken anfreundest, dann lebt es sich viel viel besser. Das habe ich gelernt.

Schon gestern habe ich viel über James, über uns und über diese drei letzten Jahre nachgedacht.

Voller STOLZ blicke ich heute zurück und bin überglücklich, dass ich mein letztes Versprechen an James gehalten habe und auch, dass ich es schnell erleben durfte.

James größte Sorge war es, dass es uns nicht gut gehen wird und dass ich allein bleibe. Zugleich hat er mich aufgemuntert und gesagt: Wenn diesen Weg eine Frau schaffen kann Schatz, dann bist du das! Allein dieser Satz hat mich motiviert bis in die Fußspitzen. Ich habe ihm außerdem gesagt er solle sich kein Sorgen machen, denn das wird mir nicht passieren. Ich wusste ich werde nicht allein bleiben. Ich wollte immer eine Familie mit zwei Kindern und ein glückliches Heim gefüllt mit Liebe und Geborgenheit. Ich werde eine Familie für uns haben, mit Geschwistern für Lars, das versprach ich ihm.

Das wurde meine Mission. Ich entschied mich bewusst, dass ich uns erlaube, alle Möglichkeiten, alle Chancen und jeglichen Raum, der für uns da ist, wahrzunehmen. Und das ist das Genialste, was ich gemacht habe. Ich, tief mit mir verbunden, und mit meinem kleinen Teampartner Lars, übernahm die volle Verantwortung für mich, mein Leben und sein Leben. Ich ging schnell wieder arbeiten, um mein eigenes Geld zu verdienen. Ganz ehrlich – ich war selbstständig und ich liebte meinen Job, also freute ich mich auch wieder loszugehen und mir blieb auch nichts anderes übrig. Ich überlegte mir ein Haus in England zu kaufen und ignorierte die kleine Stimme in mir, die immer wieder sagte – zu Hause in Deutschland ist es auch schön.

Circa ein halbes Jahr nach der Beerdigung von James erhielt ich einen Anruf von meiner Mama und als sie ausgesprochen hatte, dass mein Papa Darmkrebs hat und dieser auch schon gestreut hatte, war mir sofort klar, dass unsere Zeit hier in England zu Ende gehen darf und ich zurück nach Deutschland gehen würde. Ich traf die Entscheidung sofort und fing an, alles in die Wege zu leiten. Es ging sehr schnell (so mag ich es eben auch) und ich hatte alles in England verkauft, verschenkt und nahm nur zwei Kofferraumladungen an Zeug mit nach Deutschland. Mit leichtem Gepäck reist es sich schließlich leichter.

Noch so eine geniale Herzensentscheidung. Dann ging es los. Ein neues Leben aufbauen – von scratch sagt man in England. Ich liebe Abenteuer und habe James Stimme oft im Ohr: It´s all an adventure!

Heute drei Jahre später habe ich einen wundervollen Mann an meiner Seite, den ich mir nicht besser hätte backen können. Ich liebe ihn und wir haben uns samt unserer Bonusfamilie eine einzigartig schöne Welt kreiert. Lars hat zwei ältere Brüder und ich drei Jungs. Das fühlt sich besser an, als alles, was ich vorher je hatte. Das verstehen viele oft nicht. Ich lebe allerdings auch nach dem Prinzip #privilegWitwe. Ohne meine Verlusterfahrung und die unzähligen Erkenntnisse, wäre ich niemals in der Lage gewesen, so zu lieben, wie ich es heute tue. Allem voran, mich selbst!

Ansgar ist Lars Papa und Daddy James ist in den Wolken!

Ich habe mir erlaubt, mich hier fallen zu lassen, damit ich heilen kann. Das war wohl einer der wichtigsten, allerdings auch schwierigsten Dinge für mich in meinem gesamten Leben. Aufzuhören zu kämpfen und raus aus dem Widerstand zu kommen. Ich heile immer noch. Die Trauer um James, damit bin ich für mich, in totaler Zufriedenheit. Heute darf ich, die noch tiefer liegenden Wunden heilen, die ich im Laufe meines Lebens angesammelt habe. Das ist heute meine persönliche, tägliche Aufgabe. Ich werde immer mehr zu der Frau, die ich sein möchte. Ich lerne, entdecke und fühle, was ich heute für mich brauche bzw. als wichtig ansehe. Darüber hinaus gebe ich alles, was ich erlebt habe und was ich gelernt habe weiter. Ich bin stolze Geschäftsführerin, Lebensberaterin und Trauercoach. Es bereitet mir größte Freude, Menschen, vor allem junge Witwen, zu inspirieren, zu motivieren und sie auf ihrem Weg zu begleiten. Mein Lebensmotto ist seit einigen Jahren: There is ALWAYS a BrightSide. Jeder der das für sich erkennt und annimmt, hat gute Chancen aus der Opferrolle rauszukommen und seine eigene Wahrheit endlich zu leben. It is your choice!

Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast, meinen ersten Blog zu lesen.

From my heart to yours – Time to start living the life of your dreams.

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